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Binglanggu — Li und Miao

Quick Info
Englischer NameBinglanggu Li & Miao Cultural Tourism Zone
Chinesisch槟榔谷 kopierenBīnglánggǔ
Ziel海南槟榔谷黎苗文化旅游区北门 kopierenNordtor — so als Ziel eingeben
Beste ZeitVormittags ab Öffnung — kühler, weniger Gruppen, die Vorführungen beginnen · Showzeiten am Eingang erfragen
BusÜberlandbusse Richtung Baoting fahren ab dem Busbahnhof Sanya. Ob und wo sie am Park halten, in Amap prüfen — einfacher ist Didi.
Didi28 km ab dem Zentrum von Sanya, 35–60 Minuten, rund 10–12 € je Strecke.
Route live
EintrittKostenpflichtig — den aktuellen Preis auf Trip.com prüfen
TicketsAuf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link*
Dauerhalber bis ganzer Tag
LageNaturschutzgebiet Ganshiling, Grenze Sanya und Baoting, ca. 500 m hoch
Die Frauen mit den tätowierten Gesichtern hier sind die letzten ihrer Art. Die jüngste von ihnen bekam ihre Tätowierung 1952 — danach nie wieder eine Frau auf dieser Insel.

Wer die Li sind

Die Li sind die Ureinwohner Hainans. Nach verbreiteter Auffassung chinesischer Forscher stammen sie von den alten Yue-Völkern Südchinas ab und kamen vor rund 3.000 Jahren über das Meer auf die Insel — lange vor den Han-Chinesen. Ihre Sprache gehört zur Tai-Kadai-Familie und ist damit näher am Thailändischen als am Mandarin. Heute zählen die Li über eine Million Menschen, fast alle auf Hainan, verteilt auf fünf Untergruppen mit eigenen Dialekten.

Das ist der erste Punkt, den man verstehen muss: Hainan war keine chinesische Insel, die besiedelt wurde. Es war eine fremde Insel, die erobert wurde. Die Han kamen von Norden und siedelten an den Küsten, die Li zogen sich ins Bergland zurück. In abgelegenen Bergregionen lebten manche Li-Gemeinschaften noch bis in die 1950er Jahre in Sozialformen, die auf alte mutterrechtliche Clans zurückgingen.

Die Miao

Die Miao kamen deutlich später und nicht freiwillig. Im 16. Jahrhundert verlegte die Ming-Dynastie Miao-Soldaten aus Guangxi nach Hainan, um Aufstände niederzuschlagen. Viele blieben und siedelten in den Bergen, zwischen und oberhalb der Li. Beide Gruppen leben bis heute nebeneinander, mit eigenen Sprachen, eigener Kleidung und eigener Küche.

Der Park

Binglanggu heißt „Betelnuss-Tal“. Der Park wurde 1998 gegründet und liegt im Naturschutzgebiet Ganshiling an der Grenze zwischen Sanya und dem Kreis Baoting, rund 28 Kilometer vom Stadtzentrum. Er erstreckt sich über gut 300 Hektar zwischen Betelpalmen und tropischem Regenwald, auf etwa 500 Metern Höhe — deshalb ist es hier spürbar kühler als an der Küste.

2015 wurde Binglanggu als erstes Gebiet für Minderheitenkultur in China in die höchste Tourismusklasse 5A aufgenommen. Er gliedert sich in ein Dorf des immateriellen Kulturerbes, das über hundert Jahre alte Li-Dorf Ganshi, ein Miao-Dorf im Regenwald und ein Feld- und Bauerngebiet. Schon das Eingangstor erzählt etwas: Es hat die Form des Schriftzeichens 人, Mensch, und ist dem Dalishen nachempfunden, dem Kraftgott der Li-Schöpfungsgeschichte.

Gezeigt werden zehn Techniken und Bräuche, die in China als nationales immaterielles Kulturerbe gelten — vom Spinnen, Färben, Weben und Sticken über die Herstellung von Rindenstoff, das Feuermachen durch Holzbohren und die urtümliche Töpferei bis zum Bau der Bootshäuser, der Bambusmusik und dem Fest am dritten Tag des dritten Mondmonats.

Die Weberei

Der Li-Brokat gilt als eine der ältesten Textiltechniken Chinas. 2009 hat die UNESCO die Techniken zum Spinnen, Färben, Weben und Sticken der Li auf ihre Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes gesetzt — nicht auf die reguläre Liste, sondern auf die für akut bedrohte Traditionen.

Gewebt wird am Lendenwebstuhl: Die Weberin sitzt am Boden und spannt die Kette zwischen ihren Füßen und einem Gurt um die Hüfte, sodass sie selbst Teil des Geräts ist. Die aufwendigsten Stücke sind die „Drachendecken“, großformatige Brokate, die bei Zeremonien verwendet wurden. Noch älter ist der Rindenstoff: Stoff aus geklopfter Baumrinde, den die Li herstellten, bevor sie webten.

Die Muster sind nirgends aufgeschrieben. Die Li hatten keine Schrift; weitergegeben wurde von der Mutter an die Tochter, durch Zusehen und Nachmachen. Stirbt eine Weberin, ohne weitergegeben zu haben, ist ihr Muster verloren. Eine der Meisterweberinnen im Park hat deshalb über 150 Schülerinnen ausgebildet und gibt in den Schulferien Kurse für Jugendliche.

Die Tätowierungen

Chinesische Kulturwissenschaftler nennen sie „Dunhuang-Fresken auf der Haut“. Li-Mädchen wurden traditionell tätowiert, in mehreren Etappen über Jahre. Eine der letzten, Fu Jinhua, hat es in einer Reportage so beschrieben: mit acht Jahren das Gesicht, mit elf der Hals, mit zwölf die Brust, mit dreizehn und vierzehn die Beine. Sie begann 1952 — und gehört damit zur allerletzten Generation. Nach 1950 wurde auf Hainan kein Mädchen mehr tätowiert. Fu Jinhua webt heute in Binglanggu.

Tätowiert wurde im Herbst an einem günstigen Tag, im Elternhaus des Mädchens, von einer erfahrenen Tätowiererin. Die Muster wurden zuerst aufgemalt und dann mit Dornen von Bambus oder Rattan eingestochen; die blauschwarze Farbe bestand aus Pflanzensaft und Holzkohle. Überliefert sind 37 Gesichtsmuster, dazu Muster für Arme und Beine — Frösche, Schnecken, Insekten und der Kraftgott Dalishen.

Über die Bedeutung gibt es mehrere Erklärungen, die sich nicht ausschließen: das Totem der eigenen Gruppe, das Wiedererkennen durch die Ahnen, und nach einer verbreiteten Deutung Schutz vor Verschleppung. Nach altem Glauben erkannten die Ahnen eine Frau ohne Tätowierung nach dem Tod nicht als ihre an; Frauen ohne Muster wurden vor der Bestattung Linien mit Holzkohle aufgezeichnet. Und ein junger Mann konnte an den Mustern einer Frau ablesen, ob sie vom selben Ahnen abstammte — und ob eine Heirat erlaubt war.

Um 2010 lebten nach Erhebungen der Hainan-Universität noch rund 2.000 tätowierte Frauen, die jüngsten damals um die 70. Es war die größte noch lebende Gruppe traditionell Tätowierter unter den indigenen Völkern am Pazifik. Heute sind die jüngsten über achtzig. In wenigen Jahren wird es niemanden mehr geben, der diese Muster auf der eigenen Haut trägt.

Was es sonst gibt

Die bootsförmigen Häuser der Li aus Bambus und Stroh, deren Dach bis zum Boden reicht — die Form eines umgedrehten Bootes, als Schutz in einem Klima mit Taifunen. Die Longgui, kleine Häuser, in denen unverheiratete junge Leute wohnten und einander umwarben. Speicherhäuser, die über hundert Jahre alt sind. Der Bambusstangentanz, bei dem zwei Reihen Stangen im Takt zusammenschlagen und dazwischen gesprungen wird. Die Nasenflöte, die mit dem Atem durch die Nase gespielt wird, und Shanlan-Reiswein aus Bergreis.

Und die Betelnuss, nach der das Tal benannt ist. Sie wird auf Hainan bis heute gekaut — rote Zähne, anregende Wirkung und ein erhebliches Mundkrebsrisiko, das selten erwähnt wird. Am Nachmittag gibt es außerdem eine große Freilichtaufführung zur Kultur der Li und Miao.

Ehrlich betrachtet

Binglanggu ist ein kommerzieller Kulturpark mit Eintritt, Vorführungszeiten und Souvenirläden, kein gewachsenes Dorf. Und gleichzeitig sind die Frauen dort echte Trägerinnen einer echten Tradition, die mit ihrer Arbeit Geld verdienen und ihr Wissen weitergeben. Vermutlich braucht es solche Orte sogar, damit die Weberei überhaupt eine Zukunft hat. Beides stimmt — und genau dieser Widerspruch ist interessanter als jede der beiden Hälften allein.

Gut zu wissenVor dem Fotografieren fragen und ein Nein akzeptieren. Viele der älteren Frauen sitzen den ganzen Tag als lebende Ausstellung. Ein Gruß, ein gekauftes Stück Stoff, ein Moment Aufmerksamkeit verändern die Begegnung — und die Hände am Webstuhl sind ohnehin das eindrücklichere Motiv.
Gut zu wissenDie Vorführungen laufen nach festem Zeitplan. Die Zeiten am Eingang erfragen und den Rundgang danach planen, nicht umgekehrt.
Unser Eindruck

Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 07.11.2026.

Texte: mit KI erstellt, recherchiert aus öffentlichen Quellen · Fotos & Videos: eigene Aufnahmen · Titelgrafik: KI-generiert