Qilou — die Altstadt der Heimkehrer
| Englischer Name | Haikou Qilou Old Street |
| Chinesisch | 骑楼老街 kopierenQílóu Lǎojiē |
| Ziel | 骑楼老街 kopierenAltstadt — als Ziel eingeben |
| Beste Zeit | Vor 10:00 oder ab 17:30 · abends mit beleuchteten Fassaden |
| Bus | Viele Stadtbusse halten an der Altstadt — in Amap prüfen. |
| Didi | Vom InterContinental auf Haidian Island rund 10 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Kostenlos, auch die kleinen Ausstellungen |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Häuser | rund 600 Arkadenhäuser, etwa 4 km Straßen |
| Blütezeit | 1924–1936 |
| Mazu-Tempel | 天后宫 |
| Spezialität | Reis in scharfer Suppe, Gasse Shuixiangkou (水巷口) |
Ein Hafen öffnet sich
Nach dem Zweiten Opiumkrieg musste China 1858 im Vertrag von Tianjin weitere Häfen für den Außenhandel öffnen, darunter Qiongzhou auf Hainan, das heutige Haikou. Richtig in Gang kam der Handel ab 1876, als hier ein Zollamt und ein britisches Konsulat entstanden. Die Europäer nannten die Stadt Hoihow.
Mit dem Hafen kamen die Schiffe, und mit den Schiffen die Möglichkeit wegzugehen. Wer konnte, fuhr nach Singapur, Malaya, Siam oder Java — in die Region, die man auf Chinesisch Nanyang nennt, das Südmeer. Sehr viele Hainaner arbeiteten dort als Händler, Köche, Seeleute und Plantagenarbeiter. Und wer es zu etwas gebracht hatte, schickte Geld nach Hause oder kam selbst zurück.
Häuser, die über dem Gehweg reiten
Qilou heißt wörtlich „Reithaus“. Gemeint ist ein Haus, dessen Obergeschoss über den Gehweg ragt und auf Säulen ruht — es reitet sozusagen über der Straße. Unten liegt der Laden, oben wohnt die Familie, und davor entsteht ein durchgehender überdachter Gang.
In den Tropen ist das keine Zierde, sondern Bauphysik. Der Gang schützt vor der prallen Sonne und vor den heftigen Regengüssen, die hier im Sommer fast täglich niedergehen. Man kann eine ganze Straße entlanggehen, ohne nass zu werden. Die Rückkehrer hatten diese Bauweise in den Kolonialstädten Südostasiens kennengelernt, in Singapur, Penang und Malakka, und brachten sie mit nach Hause.
Als die Stadtmauer fiel
Die ersten Arkadenhäuser entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Viertel am Hafen. Die große Zeit kam 1924. Der damalige Machthaber auf Hainan ließ die alte Stadtmauer abreißen, um Platz für breitere Straßen zu schaffen. Aus den Steinen der Mauer wurde ein Damm am Wasser gebaut, der heute die Uferstraße Changdi trägt, die „Lange Böschung“.
Zwischen 1924 und 1936 wurde gebaut wie nie zuvor. In der Stadt sagte man, alle zwei Tage entstehe ein neues Arkadenhaus. Heute zählt die Altstadt rund 600 dieser Häuser auf einer Straßenlänge von etwa vier Kilometern — eines der größten erhaltenen Ensembles dieser Art in China.
Europäische Fassaden auf chinesischem Grundriss
Die Rückkehrer bauten, was sie draußen gesehen hatten. Die Grundrisse blieben chinesisch, schmal und tief, mit Innenhöfen für Licht und Luft. Die Fassaden aber zeigen Säulen, Bögen, Balustraden und Stuckornamente im europäischen Stil, gemischt mit Details aus Malaysia und Indien, dazu chinesische Schriftzeichen und Glückssymbole.
Oben an vielen Fassaden stehen bis heute die Namen der alten Geschäfte, in Stuck geformt: Apotheken, Stoffhändler, Hotels, Banken. Wer die Augen hebt, liest die Wirtschaftsgeschichte der Stadt ab.
Vier Straßen, vier Gesichter
Die Deshengsha-Straße war einst ein Sandstrand vor der Stadt. Ihren Namen, „Sand des Sieges“, bekam sie 1849, als hier Piraten zurückgeschlagen wurden. Später standen hier Konsulate, ausländische Handelshäuser und ein französisches Krankenhaus, und die Straße galt als das Schaufenster der Stadt — manche verglichen sie mit dem Bund in Shanghai. Dort steht auch das „Fünfstöckige Haus“, damals das höchste Gebäude der Stadt.
Die Zhongshan-Straße führte früher zu einem Tempel und wurde später nach Sun Yat-sen benannt, heute ist sie die bekannteste Fußgängerstraße. Die Bo'ai-Straße ist die alte Nord-Süd-Achse der ummauerten Stadt und bis heute eine Straße des Großhandels. Sie verbindet zwei Märkte: Am Ostmarkt gibt es getrocknete Meeresfrüchte, Fischblasen, Tintenfisch und Muscheln in Säcken, am Westmarkt Antiquitäten, alte Münzen und Trödel — beides lohnt einen Abstecher, auch ohne etwas zu kaufen. Die Xinhua-Straße entstand 1924 dort, wo vorher die Mauer stand.
Briefe und Geld aus dem Süden
Viele Häuser erzählen von der Verbindung nach Südostasien. In der Zhongshan-Straße eröffnete 1923 ein Rückkehrer aus Singapur ein Hotel, das zugleich Überweisungen und Briefe der Auswanderer an ihre Familien weiterleitete. Für viele Heimkehrer war es die erste Adresse nach der Ankunft.
Ein alter Teeladen in derselben Straße erinnert mit einem Kinderreim an diese Zeit, der sinngemäß vom Abschied erzählt: in den Süden gehen, Frau und Kind verlassen, den Eltern Lebewohl sagen. Der Reim wird bis heute in Haikou gesungen.
Mazu und der Abschied
Im Viertel steht ein Tempel für Mazu, die Göttin der Seefahrer. Hier beteten die Auswanderer vor dem Ablegen um eine sichere Überfahrt. Die Hainaner in Singapur bauten sich später selbst einen Mazu-Tempel, in dem sie nach der Ankunft für die gute Reise dankten.
Auch heute noch zünden hier Menschen Räucherstäbchen an. Der Tempel ist klein und leicht zu übersehen — gerade deshalb lohnt es sich, ihn zu suchen.
Restauriert, aber bewohnt
Lange verfielen die Häuser, einige stürzten ein. Über mehr als zehn Jahre wurde die Altstadt dann nach dem Grundsatz restauriert, alles möglichst so zu erhalten, wie es war. Ein Team von Architekturhistorikern teilte die rund 600 Häuser nach ihrem Zustand ein: Manche wurden nur gesichert, andere nach alten Fotos wiederhergestellt, wieder andere innen neu aufgebaut. Über achtzig alte Firmennamen wurden an den Fassaden wiederhergestellt, und viele Häuser sind wieder das, was sie früher waren: Läden, Pensionen, Restaurants.
Das macht den Reiz aus. Qilou ist kein Freilichtmuseum, sondern ein Viertel, in dem gehandelt, gekocht und gewohnt wird. Neben Souvenirläden gibt es Großhändler für Lampen und Werkzeug, Friseure und Garküchen.
Wie man den Besuch angeht
Am schönsten ist die Altstadt früh am Morgen, bevor die Hitze kommt, und am Abend, wenn die Fassaden beleuchtet sind. Dazwischen lohnt eine Pause in einem der alten Teehäuser mit hainanesischem Morgentee. Zum Mittagessen gibt es in der Gasse Shuixiangkou eine Spezialität der Hafenarbeiter: Reis in scharfer Suppe, seit über hundert Jahren ein billiges und sättigendes Essen.
Der Eintritt ist frei, auch in die kleinen Ausstellungen in einigen restaurierten Häusern. Einfach die Straßen entlanggehen und oft nach oben schauen.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 24.11.2026.