Die Insel der Verbannten
| Englischer Name | Five Officials Temple & Tomb of Hai Rui |
| Chinesisch | 五公祠 kopieren海瑞墓 Wǔgōng Cí |
| Ziel | 五公祠 kopierenTempel der fünf Verbannten |
| Beste Zeit | Vormittags oder am späten Nachmittag, wenn es kühler ist |
| Bus | Zum Tempel fahren viele Stadtbusse, Haltestelle 五公祠 — in Amap prüfen. |
| Didi | Zwischen Tempel und Grab rund 20 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Tempelbezirk: Preis vor Ort prüfen · Hai-Rui-Park kostenlos |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Hai-Rui-Grab | 海瑞墓 — Kulturpark, Grab ca. 09:00–18:00 |
| Tempel | Hauptgebäude von 1889, Denkmal seit 2001 |
| Su Dongpo | 1097 auf die Insel verbannt |
| Hai Rui | 1514–1587, Grab von 1589 |
Das Ende der Welt
Über viele Jahrhunderte war Hainan für das chinesische Kaiserreich der äußerste Rand: heiß, von Krankheiten geplagt, weit weg von allem, was als Kultur galt. Die Verbannung hierher war die schwerste Strafe unterhalb der Todesstrafe, und viele Verbannte kamen nie zurück.
Gerade deshalb wurden hierher oft die unbequemsten Köpfe geschickt — Minister, Gelehrte und Dichter, die sich mit mächtigen Gegnern angelegt hatten. Sie brachten Bücher, Schrift und Bildung auf die Insel. Zwei Orte in Haikou erzählen davon: der Tempel der fünf Verbannten und das Grab des Hai Rui.
Fünf Verbannte, ein Tempel
Der Wugong-Tempel, der „Tempel der fünf Herren“, ehrt fünf Staatsmänner, die nach Hainan verbannt wurden. Der erste war Li Deyu, ein mächtiger Kanzler der Tang-Dynastie, der im 9. Jahrhundert bei einem Machtkampf am Hof unterlag und auf Hainan starb. Die anderen vier stammen aus der Song-Zeit: Li Gang, Zhao Ding, Li Guang und Hu Quan. Sie waren gegen einen demütigenden Frieden mit den Eroberern im Norden, und ihre Gegner am Hof ließen sie in die Verbannung schicken. Zhao Ding verweigerte auf Hainan schließlich das Essen und starb.
Einen ersten Tempel gab es schon in der Ming-Zeit, das heutige Hauptgebäude wurde 1889 errichtet. Es ist ein zweistöckiger Holzbau mit umlaufenden Galerien und heißt „Erster Turm von Hainan“, weil er damals das eindrucksvollste Gebäude der Insel war. Wer genau hinsieht, findet in der Bauweise sogar Anklänge an Südostasien.
Su Dongpo auf der Insel
Der berühmteste Verbannte ist nicht einer der fünf, sondern ihr Nachbar im Tempelbezirk: Su Dongpo, einer der größten Dichter Chinas. 1097, mit sechzig Jahren, wurde er nach Danzhou im Westen der Insel verbannt. Auf dem Weg dorthin wohnte er gut zwanzig Tage in einer kleinen Klause, dort, wo heute die Halle zu seinen Ehren steht.
Weil die Menschen hier kaum sauberes Trinkwasser hatten, zeigte er ihnen, wo sie graben sollten. So entstanden zwei Quellen. Die eine heißt „Quelle der schwimmenden Hirse“, weil an ihrer Oberfläche kleine Bläschen aufsteigen, die wie Hirsekörner aussehen. Sie sprudelt bis heute.
Den Himmel aufbrechen
In Danzhou blieb Su Dongpo drei Jahre und unterrichtete junge Leute der Insel. Einer seiner Schüler, Jiang Tangzuo, bestand später als erster Mensch aus Hainan die Prüfung auf Provinzebene — der erste Schritt in die Beamtenlaufbahn, die bis dahin für Hainaner praktisch unerreichbar war.
Su Dongpo hatte ihm einen Vers mitgegeben, der sinngemäß sagt, das Meer habe die Verbindung zum Festland nie wirklich getrennt und ein Schüler von hier könne den Himmel aufbrechen. Der Ausdruck „den Himmel aufbrechen“ steht im Chinesischen bis heute für etwas, das zum allerersten Mal geschieht.
Was man im Tempelbezirk sieht
Der Bezirk ist ein kleiner Park mit Pavillons, Teichen, Brücken und alten Bäumen, rund sieben Hektar groß. Neben dem Tempel der fünf Herren und der Halle für Su Dongpo und seinen Bruder gibt es einen Schrein für zwei Generäle der Han-Zeit, die Hainan einst ans Reich brachten. In einer kleinen Ausstellung stehen Bronzetrommeln der Li und alte Glocken.
Seit 2001 ist der Tempelbezirk ein nationales Kulturdenkmal. Er ist deutlich ruhiger als die Altstadt und ein guter Ort, um der Hitze auszuweichen.
Hai Rui — der Mann, der seinen Sarg kaufte
Hai Rui geht den umgekehrten Weg. Er wurde 1514 auf Hainan geboren, wuchs nach dem frühen Tod des Vaters bei seiner Mutter auf und ging als Beamter aufs Festland. In ganz China gilt er bis heute als Inbegriff des unbestechlichen Beamten, der sich vor niemandem beugt.
Berühmt wurde er 1566 mit einer Eingabe an den Kaiser, in der er diesem vorwarf, das Reich über seiner Suche nach Unsterblichkeit zu vernachlässigen. Bevor er sie einreichte, kaufte er sich einen Sarg und verabschiedete sich von seiner Familie — er rechnete fest mit der Hinrichtung. Der Kaiser ließ ihn einsperren, überlebte die Sache aber nicht lange, und Hai Rui kam wieder frei.
Ein Begräbnis und ein gerissenes Seil
Als Hai Rui 1587 in Nanjing starb, fand man in seinem Haus kaum genug Geld für die Beerdigung, Kollegen legten zusammen. Als sein Sarg auf dem Jangtse nach Süden gebracht wurde, standen die Menschen in Trauerkleidung am Ufer.
Auf Hainan, so erzählt die Legende, riss beim Tragen das Seil des Sarges — und genau an dieser Stelle wurde er begraben. 1589 wurde das Grab fertig, gebaut im Auftrag des Kaisers.
Ein Theaterstück und die Kulturrevolution
1959 rief Mao Zedong die Parteikader auf, sich an Hai Rui ein Beispiel zu nehmen und offen ihre Meinung zu sagen. Der Historiker Wu Han schrieb daraufhin ein Theaterstück über ihn, „Hai Rui wird seines Amtes enthoben“. Doch 1965 erschien eine scharfe Kritik an dem Stück, die es als versteckten Angriff auf Mao deutete. Diese Kritik gilt als Auftakt der Kulturrevolution.
Im Herbst 1966 kamen Rotgardisten zum Grab, stürzten die Steinfiguren um, zerschlugen die Grabsteine und öffneten das Grab selbst. Auslandschinesen, die in dieser Zeit zu Besuch kamen, zündeten Räucherstäbchen aus sicherer Entfernung an. 1979 schütteten die Bewohner des Dorfes aus eigener Initiative den Grabhügel wieder auf, in den 1980er Jahren ließ die Stadt die Anlage wiederherstellen.
Der Park heute
Heute ist das Grab Teil eines großen, kostenlosen Kulturparks mit Ehrenpforte, Statue, Ausstellung und Gärten. Die Behörden nutzen ihn als Lernort gegen Korruption — ein Beamter, der lieber arm stirbt als sich bestechen zu lassen, passt gut in diese Botschaft.
Dass derselbe Mann in der Kulturrevolution zum Feindbild wurde, erwähnt die Ausstellung eher am Rand. Wer die Geschichte kennt, sieht in dem Grab deshalb zwei Dinge zugleich: ein Denkmal für Mut und eine Erinnerung daran, wie schnell ein Held zum Feind erklärt werden kann.
Wie man den Besuch angeht
Tempelbezirk und Grab liegen in verschiedenen Teilen der Stadt, mit Didi rund zwanzig Minuten auseinander. Für jeden Ort reichen ein bis anderthalb Stunden. Der Tempelbezirk lässt sich gut mit einer Teestube im alten Fucheng verbinden.
Der Kulturpark um das Grab ist kostenlos, das Grab selbst ist tagsüber von etwa 9 bis 18 Uhr zugänglich. Für den Tempelbezirk den aktuellen Eintrittspreis vor Ort prüfen. Die Beschriftungen sind überwiegend auf Chinesisch.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch.